Neues von den stacheligen Mädels

Die „stacheligen Mädels“ (Gereon) haben sich schon recht gut eingewöhnt. Sie sprechen leise, wenn ich mit dem Gersteneimerchen komme. Ich weiß jetzt, warum der Herr Schu. seine jüngere Tochter „****ziege“ nennt (darf man das veröffentlichen?) – die trinken erstaunlich viel. Und Heu fressen sie auch jede Menge, und inzwischen wandern sie in ihrem Auslauf rum (Hochsicherheitstrakt, so hofft man) und killen die Landespflanze, die wilde Rose, womit sie sich hier auf dem Hof tatsächlich Freunde machen. Sie laufen hinter dem Eimer her, und der Herr Höntgesberg hat den Melkstand schon fast fertig. Er darf die Ziegen auch anfassen (das hat er mir diktiert, ich weiß nicht genau, warum), und er legt Wert auf die Feststellung, dass ich immer genau dann abdrücke, wenn er ausnahmsweise mal muffelig guckt, was er sonst NIE tut. Na gut, ich drucke das ohne Kommentar hier ab. ;-))
Liebe Susi, Deine edle geflochtene Leine kommt hier zu neuen Ziegenehren! An der Leine nämlich nehmen die Mädels kontrollierte Eiweißrationen zu sich – das Gras wächst beim Zuschauen, und sie üben für ihre Rolle als Rasenmäher. Ich hoffe, man erkennt, dass wir sie nach Euter ausgesucht haben. Für die Profis unter den Lesern und diejenigen, die die Kommentare nicht lesen: Es sind nicht eingetragene Saanenziegen, sie sind irgendwie zwei bzw. drei Jahre alt. Sie lammen (oder wie man das bei Ziegen nennt) zum ersten Mal, und wir denken, dass auch beide tatsächlich schwanger sind. Sie sind gedeckt (leider) von einem Burenziegenbock, aus Inzuchtgründen konnte es nicht der einzige Saanenbock des Hofes sein, weil der schon mindestens der Vater ist.
Als nächstes müssen sie dringlich die Füsse geschnitten bekommen, und leider kratzt sich die eine auch. Da muss der Tierarzt mal (be)raten.

Ach ja, und als Namen sind derzeit Tallulah und Odette die heißesten Favoriten. Wer wer sein könnte, weiß man noch nicht. „Die Blaue“ (nach den Ohrmarken) – gleichzeitig die Kratzige – scheint irgendwie unorganisierter, aber auch aggressiver als „die Rote“, die sehr umgänglich und nett ist und sich fast nie mit der Leine verheddert.

Das neue Projekt

Am letzten Freitag fuhr der Herr Höntgesberg in die große Stadt und besorgte sich dort ein Logging Permit (Holzeinschlagerlaubnis oder wie sagt der Forstmann?), für unter 10 Dollar, damit durfte er bis zu 5m³ Stangen auf Crown Land (öffentlichem Land) ernten. Hier sehen wir die Ernte, von Hand verladen – der Herr Höntgesberg ist nämlich stark.
Dann sieht man diesen freundlichen Herrn hier bei der Arbeit Zum Schieflachen, schon wieder ein krummer Nagel! Aber macht nix! Den ganzen Sonntag wurde gesägt, gehämmert, genagelt. Diese Stangen übrigens sind teilweise wohl an die 100 Jahre alt – es tat mir in der Seele weh. Aber Nadelbäume wachsen hier im Norden so langsam. Und sie riechen SOOO lecker!
Am Montag hantieren der Rolf und der Gereon mit diesem Ding rum, das sind Stock Racks, statt Viehanhänger. Währenddessen telefoniert die Frau H. in der nördlicheren Welt herum und vereinbart einen Termin bei Fairview, ca. 150 km nordwestlich. Dann fahren Herr und Frau H. los – und vergessen leider beide den Fotoapparat – schade eigentlich. Sie fahren zur Howling Wolf Ranch, können sich schlecht entscheiden, trinken noch einen Kaffee mit einem sehr netten Schweizer Ehepaar (übrigens umgeben von Akbash-Hunden, gruselich!, dazu vielleicht später mal mehr) und fahren dann mit ihrem Projekt durch die Abendsonne heimwärts. Parken unterm Dach – es könnte Regen geben! Auch die Hunde fragen sich: Was mag drin sein? Na, am nächsten Morgen sieht man es dann doch schon: Und „Tätääh!!“, hier das neue Projekt: Zum Eingewöhnen fressen aus dem Eimer in der Nähe der Fotografin . Dann Ausladen, nicht so ganz einfach, man beachte die von Herrn H. zur Verfügung gestellte „Rampe“ Und dann ist das Projekt im neuen Heim Und nun wissen wir auch, wofür der Herr Höntgesberg die vielen Stangen gebraucht hat!

Kojotenwald

Geht der kleine Hund mit Zoe und uns spazieren – Ostersonntag abends. Gereon sagt: Lass uns doch mal zum Ende des Heufelds gehen, wo Rolf seinen Bone Yard hat, sprich, den Platz, wo er eventuell vor der Zeit verschiedene Kühe hinbringt. In der völlig trügerischen Hoffnung, dass die Hunde da nicht hingehen… Zoe marschierte zielstrebig in diese Richtung. Den kleinen Hund hab ich nach der Hälfte des Weges lieber mal an die Leine genommen, der hatte schon wieder die Öhrchen auf Jagdfieber stehen, und außerdem sahen wir ein paar Hirsche. Zoe lief voraus und plötzlich schoss sie in den Wald – da, wo die Knochen liegen. Geheule, Gekläffe, Gebelle: Kojoten! Der kleine Hund wurde ganz nerviös. Und dann kam Zoe durch den Wald zurück, und Gereon sagt: Ach, da sind ja zwei. Das zweite war aber der Kojote, der Zoe verscheuchen wollte. Da hättet ihr mal den kleinen Hund hören sollen! Der hat rumgetobt und gekläfft und gejault und wollte unbedingt den Kojoten fressen. Der Kojote aber wollte viel lieber die Zoe aufmischen und kam immer wieder hinter ihr her. Sie scheuchte ihn immer wieder in den Wald, und kaum drehte man sich um, war er schon wieder da. Währenddessen schrie der kleine Hund auf meinem Arm vor sich hin und fand das Ganze sehr unfair. Ich fand es eher nicht so lustig, weil der kleine Hund bekanntermaßen unter grenzenloser Selbstüberschätzung leidet. Der Kojote kam immer so bis auf 20-30 m an uns ran, was Gereon noch nie erlebt hatte. Na, nu wissen der kleine Hund und ich auch, wie Kojoten aus der Nähe aussehen. Die Bilder musste ich leider aus dem Netz nehmen, weil keiner von uns einen Fotoapparat bei sich hatte – dumm gelaufen!

Ich fand das schon ein bisschen spannend, muss ich sagen. Jetzt mach ich mir natürlich Sorgen, dass der kleine Blindfisch da wieder hin will. Im Moment ist die Gefahr gering – es regnet und schneit und ist ein Wetter zum Im-Bett-Bleiben. Aber in den letzten Tagen, bei der Wärme und dem freien Feld, da war der kleine Hund schon arg im Jagdfieber.

Die Majas: 2. Teil der Reise

Am 8. April mussten wir schon im Dunkeln zu den Majas, weil sie bei dem schönen Wetter sonst gleich an die Arbeit gehen. Wintermäntel abgewickelt, Kästen aufs Auto geschleppt, Wintermäntel eingepackt, allen anderen Kram auch, und so sah das dann aus Die Rückfahrt war insofern spannend, als es zunehmend warm wurde und die Bienen nur beim Fahren im Haus bleiben. Zuletzt sah man schon beim kurzen Halten an der Ampel welche ausschwärmen, doch die Verluste halten sich wohl in Grenzen. Freunde macht man sich damit natürlich nicht, anhalten für Kaffee oder gar essen geht nicht so wirklich.
Hier ist der neue Bienenplatz Abends haben wir sie noch aufgestellt und wieder provisorisch in ihre Wintermäntel verpackt. Am nächsten Tag dann spannenden Augenblicke: Wieviele leben noch? Also Wintermäntel wieder abwickeln , eine kleine Tüte fertigmachen zur Beruhigung und nachgeschaut. Erfreulicherweise waren in allen 13 Kästen lebendige Bienen, einer wurde allerdings zu einem anderen dazugepackt, macht zwölf. Dann wurde es langsam warm, und die Damen begannen mit der Arbeit. ICH habe ja keine Ahnung, doch der Imker sagt mir, wenn sie Pollen reinschleppen, ham sie ne Königin. Also haben wir geguckt und geguckt, und siehe da, nach einiger Zeit düsten überall Bienchen mit entweder graugelben oder quietschgelben Hosen rum – prima! Macht wieder 12 komplette Völker. Während die Damen fleißig waren, bekamen sie einen schicken Zaun, weil sie ja wohl in „bear country“ wohnen.
Wenn die Damen nach Nordwesten schauen, dann sehen sie das – viel Gegend. Sie stehen in einer so genannten Cut Line, Waldstreifen, die bei der Suche nach Öl- oder Gaslagerstätten freigeschlagen werden und dann wieder langsam zuwachsen. Das sieht dann so aus
Dieser „Bee yard“ befindet sich übrigens noch auf farm-eigenem Land, etwa 6 km entfernt vom Haus.
Nun sind wir also ganz stolz und fröhlich, dass die Majas anscheinend so gut durch den Winter gekommen sind. Hätten wir nämlich neue kaufen müssen, dann kostet das mal pro 2 Pfund Bienen so um die 135 Dollar, und die müssen dann ganz von vorne mit dem Einrichten anfangen, während UNSERE DAMEN (also natürlich die Königinnen nur, sagt mein Imker) sogar schon Eier gelegt haben – eigentlich logisch, ist schließlich Ostern. In diesem Sinne „Fröhliche Ostern“ allerseits!

Die Majas: 1. Teil der Reise

Am 7. April (Herzlichen Glückwunsch, liebes Mariandl!!!) war es endlich so weit: Mit voll beladenem Truck (jede Menge Proviant, Spritkanister, Schlafsäcken und Nini düsten Gereon und ich los Richtung Cold Lake, um die dort überwinterten Bienenvölker abzuholen. Vor uns lagen gut 600 km Strecke fast gerade nach Osten, na ja, ein bisschen auch südlich. Nach 100 km und in der ersten kleinen Stadt seit der Farm winkte uns an der Ampel ein freundlicher Kanadier und beschied uns: „You’ve got a flat tire, eh!“ Das „eh!“ gilt als typisch kanadisch. Der Platte wahrscheinlich auch. Glücklicherweise war’s gerade erst passiert, nur das Ventil, und nach etwa 1 1/2 Stunden konnten wir weiterfahren. In High Prairie, wo das passierte, steht noch einer der wenigen verbliebenen „Elevators“, das sind die hohen Verladegebäude für Weizen . Warum die verschwinden, hab ich noch nicht begriffen, aber so isses.
Wir brausten weiter, durch platte Landschaft, mit oder ohne Bäume, hügelige Landschaft, mit oder ohne Bäume, platte Landschaft, mit oder ohne Seen. Am besten gefallen hat mir die Gegend mit Hügeln und Seen, glaub ich, z.B. am Lawrence Lake . Da war sogar noch Schnee, und jede Menge Eis auf dem See. Auch der kleine Sklavensee, wie alle anderen Seen, war noch eine einzige Eisfläche.
Unterwegs natürlich jede Menge beeindruckend riesige Landschaft, aber auch – ich hab mich ja schon fast dran gewöhnt – jede Menge Scheußlichkeiten, fast jede Farm sieht aus wie ein Schrottplatz mit angeschlossener Müllkippe, ich kann es nicht anders sagen. „Ordentlich“ aussehen tut es fast nur da, wo Mennoniten wirtschaften oder bei den Hutterern. Zu meiner absoluten Begeisterung hab ich schon jemand mit einem Rasenmähertrecker gesehen, warum, weiß ich nicht, noch ist alles staubig und total platt. Aber es ist wohl auch hier selten zu früh… Kuriositäten in einem separaten Kapitel weiter oben.
Nett ist, dass aber auch fast jede Farm derzeit mit Kälbchen gesprenkelt ist, viele Red oder Black Baldies (rote oder schwarze mit weißen Köpfen, zu und zu nett).
Außerdem unterwegs jede Menge Hirsche, einige lebend, auf der Rücktour ca. 8 Verkehrsopfer. Im Zusammenhang damit drei Weißkopfseeadler, leider zu flüchtig für’s Foto, aber SEHR beeindruckend. Außerdem (extra für Barbara und Uwe, damit ihr nicht denkt, ihr seid alleine mit euren Lieben) eine schöne Schweinerei
Und so kamen wir nach einem langen Tag, an dem Nini uns auch noch unsere Schoko-Mandeln geklaut hat, in Bonnyville bei Cold Lake an. Kleines Städtchen, vielleicht geschätzt wie Waldbröl. Übernachtung im Motel mit total aufgedrehter Nini, wahrscheinlich wegen des Schoko-Dopings. Vorher noch kurz nach den Bienen geschaut – spannend, bis auf eines scheinen alle zu brummen. Dazu muss man sagen, dass Gereons Kollege von 60 Völkern über Winter 50 verloren hat. Wir waren also etwas beunruhigt.

Alpakas in der Nachbarschaft

Stellt sich doch heraus, dass Judy natürlich eine Frau kennt, die Alpakas hat. Sind wir heute mal hingefahren, ist im Nachbardorf. Ich hatte ja noch nie welche aus der Nähe gesehen und vor allem gehört – das war ja fast das Lustigste an diesen Viechern. Kann man nicht beschreiben, muss man gehört haben.
Links ein preisgekröntes Tier, wohl wegen seiner immens feinen und kräuseligen Wolle:
Ich hätte mir dieses ausgesucht Da sagt mir die Besitzerin, dass es praktisch geschenkt zu haben sei, weil es eine schlechte Wollqualität habe. Mmmhh…
Hier noch ein paar Gesichter zusammen, man beachte bitte vor allem die Wimpern des von mir favorisierten Alpakas!
Judy fand die Tiere auch ausgesprochen „cute“ und meint, nun müsse man nur noch Rolf weichspülen. Weiß gar nicht, warum sie so wild darauf ist, dass ICH ein Alpaka bekomme. Da müssen wir nochmal drüber nachdenken…

Frühling (im Moment)

Damit die bangen Fragen nach den Minus-Temperaturen nun doch mal ein bisschen nachlassen: Wir haben hier grade Frühling. Es taut täglich, bei Temperaturen bis zu +14°C oder so, auch wenn es nachts meist wieder ein bisschen friert. Die fleissige Joggerin hat morgens echte Probleme, trockenen Fußes ihre Strecke zu absolvieren, denn die von Gereon freigeschobenen Wege sehen jetzt so aus:
Voller Spannung haben wir in den letzten Tagen geguckt, ob der Dugout voll läuft. Mit Schnee ist er ja irgendwo schon abgebildet. Voller Freude haben wir heute festgestellt: Er ist voll.
. Ungefähr 30 x 60 m groß (über die Tiefe streiten sich hier gerade die Gelehrten), enthält er nach Angaben des Bauern ca. 4.6 Millionen Liter Wasser – den Brauch- und Trinkwasservorrat für Menschen und im Winter auch Kühe für das ganze Jahr.
Täglich fliegen jetzt Kanadagänse über das Land, und oft sieht man sie in den großen Pfützen auf den Feldern sitzen. Die Weidenkätzchen sind in voller Blüte (schon seit ein paar Wochen), und selbst wenn der Bauer noch 1-2 Schneestürme prophezeit, fühlt es sich doch arg nach Frühling an. Die Goodwin Road staubt schon wieder heftig!
Außerdem ist es – und wir haben diese Woche noch Winterzeit – schon bis 20.00 Uhr hell. Und irgendwie ist überall alles voller Kälbchen, nicht nur bei uns, sondern auch ein Stück die Straße runter.

Babybildergalerie: Die Männer mit den Gerätschaften – Nachher

Der Bauer zeigt dem Gereon, wie man’s macht: Energisch wird das Kalb auf die Seite gelegt, 3 Beine zusammengebunden, ein Knie (vorsichtig) auf den Hals, dann werden Vitamine gespritzt, eine Ohrmarke angebracht und je nach Bedarf kastriert und/oder enthornt. Mama schaut zu, mehr oder weniger aufgeregt. Dann darf Gereon auch mal, während der Bauer unvorsichtige Beobachter mal gleich eingefängt zur späteren Bearbeitung.
Und zack-zack, wird das Kalb zur Nummer. Am Anfang liegen sie einen Moment dumm rum, aber nach 5-10 Minuten ist alles wieder im grünen Bereich – Nr. 14 guckt schon wieder ganz interessiert.

Babybildergalerie: Vorher

Es fällt mir schwer, nicht wieder ellenlange Geschichten zu schreiben. Ich verstehe jetzt ein bisschen all die 9monate-Mamis, die sich ohne Ende über ihre Kinderchen auslassen. Bei uns ist es die diesjährige Kälberlieferung – sie sind schon arg nett, diese kleinen Viecher. Wir haben kürzlich innerhalb von 24 Stunden die Anzahl mehr als verdoppelt, von 7 auf 15, das wird jetzt wohl nicht mehr gehen, aber sie purzeln recht kontinuierlich und bis jetzt ohne Verluste aus ihren Mamas. Hier ein kleiner Überblick:

Und diese Abteilung heißt vorher, weil nachher die Männer mit den Gerätschaften kommen! Und bis auf das letzte sind dies alles von Gereon gemachte Fotos – er kann das wohl doch etwas netter als ich.

Coming up:

An all new episode of the cow show:
Nr. 7, ungefähr 1 Stunde alt. In Kürze mehr (Bilder)!