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Nur Gutes!

Bis zum Ende der naechsten Woche (eigentlich 14 Tage, aber die erste Woche ist schon rum) habe ich mir vorgenommen, nicht (oeffentlich) zu jammern! Also berichte ich euch heute mal nur Gutes. Zum Einen: Die Strasse ist repariert, also der Erdrutsch futsch! Mehr darf ich nicht sagen, weil ich ja nur Gutes berichten will :-))

Wirklich gut: Seit letzten Montag hatten wir ein kleines lustiges Huendchen da, Streuner, sehr nett, sah aus wie ein zu heiss gewaschener Hovawart, oder eine Australian-Shepherd-Mischung oder so. Aber kackte in den Zwinger. Das waere dann gestern abend das Todesurteil gewesen. Obwohl ich mir viel Muehe gegeben hatte, das Dingelchen spazierenzufuehren, damit es nicht in den Zwinger kaecksen musste. Und dann kam vorgestern noch ein anderer, natuerlich auch netter Hund. Ruede, gross, Labrador-Rottweiler-Mix, ist meine Schaetzung, lackschwarz und hochglaenzend. Und sehr freundlich! So war ich sehr in Sorge um „mein“ kleines schwarzmarkenfarbiges Huendchen mit den lustigen Kippoehrchen. Und dann kam kurz vor Toresschluss – ich fuehrte gerade selbiges Huendchen aus und verabschiedete mich im Geiste schon – kam also ein grosser dicker Mann mit einem winzigen Huendchen im Auto, und ich dachte noch so, na, der will bestimmt keinen neuen Hund. Aber er wollte!!! Und nach langem hin und her entschied er sich (nur unwesentlich beeinflusst von mir) fuer mein Sorgenhuendchen. So wollen wir jetzt alle hoffen, dass es niemals eine Ziege oder ein Huhn scheucht (sowas hat der Mann naemlich), denn dann muss es wieder gehen. Ein kluger Schachzug von dem kleinen Huendchen: der grosse Mann kniete sich zu ihm in den Zwinger und sagte: Shake a paw (gib Pfoetchen)! Und das kleine Huendchen begriff sofort nach einem Uebungslauf, was es tun sollte! Mann strahlt, Huendchen wedelt, und Frau Hoe. frohlockte innerlich und auesserlich. Hoffentlich noch mal gut gegangen!

Mal was ganz anderes!

This is the true joy in life – being used for a purpose recognized by yourself as a mighty one; being thoroughly worn out before you are thrown on the scrap heap; being a force of nature instead of a feverish selfish little clod of ailments and grievances complaining that the world will not devote itself to making you happy. ~George Bernard Shaw

Das kam mir heute in einem von mir abonnierten Newsletter entgegen. Wahrscheinlich sollte ich das Gegreine wirklich aufhoeren und mir mal eine Aufgabe suchen.

Was zum Schmunzeln vom Engelsgemuet

vielen dank, liebe sonja und maren, fuer eure mitfuehlenden worte. ich weiss auch nicht, warum mich niemand fuer einen orden vorschlaegt. aber meine geduld bzw. meine ungeduld sucht natuerlich auswege. so gucke ich z.b. im moment sehr oft zu den nomadics tipi makers, von denen ich schon in deutschland ein tipi hatte. 20′ peile ich an… stangenschaelen habe ich ja ausreichend geuebt. und auf laengere sicht finde ich auch so ein rundes haus aus stroh sehr nett. der anbieter ist ein bekannter von bob, und so schliessen sich die kreise.

jetzt noch was zum schmunzeln (oder zum weinen, wenn man sprachlehrer ist, je nach gusto). schon lange beklage ich ja den graesslichen zustand der rechtschreibfaehigkeiten und -fertigkeiten, nicht nur in kanada. zu meinen aufgaben im neuen job gehoert auch die eingabe von handschriftlichen aufzeichnungen in das verwaltungssystem, und da muss ich dann doch oft schmunzeln, auch mal lauter lachen. gestern suchte ich z.b. eine hunderasse namens „queensland blue heeler“. fuer die nicht so englischen und hundebegeisterten unter euch: es handelt sich um einen huetehund, der bekannt ist fuer seine treibende energie und dafuer, dass er kuehe oder schafe zur erreichung seiner ziele gern in die haxen, die heels, kneift. ich konnte ihn aber in der liste nicht finden, weil jemand (??) ihn eingetragen hatte als „blue healer“ – dabei heilt er ja nun gar nicht, der arbeitswuetige hund. auch stolperte ich ueber einen „mayor with problems on her right hind leg“, und ich wunderte mich, wieso hier der buergermeister behandelt wird, bis ich laut las und dann „mare“ (stute) hoerte. aber am interessantesten finde ich die namensgebung in diesem lande. originell soll es bitte sein. ich kannte ja schon katzen namens ruger und remington (auch hier wieder fuer die unbedarften: es handelt sich um waffenfabrikate). nun fragte ich eine kundin, warum ihr labrador seinen namen denn „berr“ und nicht „bear“ schreibt. ich lernte: „berr“ ist die abkuerzung fuer „berretta“. alle hunde ihres gatten haben waffennamen… der mann ist gar nicht ungebildet und eigentlich sympathisch, aber jetzt muss ich nochmal nachdenken. auch stiess ich auf einen englischen mastiff namens „ruger“ (scheint was besonders gutes zu sein) und einen rottweiler namens „brute“. allerdings auch auf brute’s mitbewohnerin, die wuchtige rottweilerin namens tiny. doch das netteste, fand ich, war der deutsche kurzhaar-vorstehhund namens sise. so stand er bei uns im computer. keine ahnung hatte ich, wie der besitzer das wohl ausgesprochen haben wollte. size? sissy? seissie? dann kam der besitzer, und es schien, dass „seis“ die aussprache sei. also fragte ich nach der geschichte des namens. es handele sich, so verkuendete der besitzer stolz, um ein zielfernrohr oder fernglas. aha! alles klar? ich habe das dann im computer geaendert, und ich befuerchte, jetzt ist der hund unauffindbar, weil im alphabet ganz nach hinten gerueckt.
und dann war da noch der jack russel terrier namens P.Nutt(butter). den hab ich leider nicht kennengelernt, der war donnerstag. gerufen wird er jedenfalls butter. auch nicht schlecht 🙂

Neues Buero!

Hier sitze ich jetzt! Und bin ziemlich froh darueber, dass ich endlich wieder einen Tisch fuer Laptop, Drucker und Papierkrams habe. Der natuerlich im Nullkommanix voll sein wird. Nicht so gluecklich bin ich ueber die Plastikwaende. Dachte ich doch, es gebe Hoffnung auf eine baldige Fertigstellung und einen echten Umzug nach oben. Da hoerte ich vor ein paar Tagen, als Dieter hier war und Gereon bei der Anbringung der Vapour Barrier (das ist der Plastikkrams, auch Dampfsperre genannt), den Bauherrn sagen, dass er nun die Nase voll vom Dach habe und dieses Jahr die Sperrholzverkleidung nicht mehr anbringen werde. Auch wenn wir ja nicht ironisch sein sollen: Da war ich aber froehlich! Na dann Prost. Und auf eines weiteres Jahr des Wartens.

Live vom Farmers' Market in Valleyview!

So, dies ist jetzt eine echte Neuerung! Ich sitze auf dem Farmers’ Market und schreibe „live“ der geneigten Leserschaft dies. Und ich stelle ein Bild ein, das mir natuerlich mal wieder nicht gerecht wird, aber da kann man nix machen. Die Tischnachbarin hat es geknipst, und wir sagen einfach, dass sie sich mit meiner Kamera nicht auskannte. Aber so ungefaehr sieht es heute hier aus. Dank des kuerzlich erworbenen „sticks“ oder wie man diese drahtlosen Modems nenne bin ich in der Lage, einfach so online zu gehen. Und bis jetzt scheint es auch nicht allzu teuer. Aber das finden wir noch raus. Heute also der erste von zwei Weihnachtsmaerkten. Um mich herum beklagen sich die Verkaeufer anscheinend, aber ich kann wirklich nicht meckern: schon 14 Eimerchen Honig haben den Besitzer gewechselt, und viele Honigtau-Honig-Glaeschen auch. Der Tag hat sich also fuer uns schon gelohnt.

Ansonsten: Das Wetter ist gut, sonnig, frisch, aber nicht zu kalt. Gestern haben wir, weil wir ja noch die Deko fuer den Markttisch basteln mussten, einen schoenen Ausflug in den Wald gemacht, um passendes Holz finden. Da denke ich dann immer, dass schon drei Tage Arbeit in geschlossenen Raeumen eigentlich zuviel sind. Wieviel schoener ist es doch da draussen. Die Luft ist klar und frisch, keine Geraeusche, keine Touristen, nur Voegel, Hoernchen, hin und wieder ein aergerlicher Biber (aber das war beim letzten Mal, jetzt ist fast alles zugefroren). Der kleine Hund hat einen Mordsspass, weil er ja von den Hunden der einzige ist, der ohne Gehhilfe (Leine) rumlaufen darf. So spurt er also uns den Weg, scheucht Hoernchen auf die Baeume und tut sich im Allgemeinen sehr wichtig. Immer noch fliegen die Gaense, wenn auch nicht mehr zu Hunderten. Vor zwei Wochen, auf dem Rueckweg von den Nachbarn, sah Gereon an der Grundstuecksgrenze ein Tier, das er noch nie gesehen hatte. Wir hielten an, und weil noch Schnee lag, haben wir mal nach den Spuren geguckt. Es scheint, es war ein Puma, was sich auch mit dem decken wuerde, was Gereon glaubt gesehen zu haben. Interessant, to say the least. Auch die Wolfs- oder Kojotenspuren kommen naeher. Ob das am nahenden Winter liegt?

Am Montag dann mal wieder ein interessanter Unfall, Gereon rief sogar in der Praxis an: Odette hat sich bei einer ihrer wilden Zaunkarambolage-Aktionen ein halbes Horn abgebrochen, gerade so, dass ein bisschen Knochen rausguckt. Das blutet ziemlich heftig und sieht entsprechend wild aus. Und sie muss auch ordentlich Schmerzen gehabt haben, zeitweilig stand sie zitternd da. Was sie aber nicht daran hindert, mit den verbliebenen Hornresten schon wieder auszuteilen – nicht so klug. Wahrscheinlich bangt sie um ihren Job im Vorstand, denn Blanca, so scheint es, wartet nur auf eine Gelegenheit, um sie zu entthronen. Nun muessen wir mal schauen, ob und wie sowas heilen kann. Karla hat so eine Art Zwei-Komponenten-Harz, mit dem man anscheinend das Loch ausbessern koennte. Bis dahin schlaegt Gereon vor, den abgeschnittenen Finger eines alten Handschuhs mit einer Schlauchschelle am Hornstumpf zu befestigen – eine weitere Hoentgesberg-Loesung, die wir wahrscheinlich einsetzen werden.

Arbeitslosengeld ist noch keines angekommen, so dass die finanzielle Lage spannend bleibt. Dafuer aber schafft Gereon viel zu Hause, und das ist eigentlich viel schoener. Bald, so hoffe ich, koennen wir das Obergeschoss einweihen, d.h. ich kann Krams dort hinschleppen!

An „unserem“ Erdrutsch stehen jetzt Baumaschinen. Die Ampelzeiten sind nochmal verlaengert, die Ampeln weiter auseinandergerueckt worden. Die Anzahl der Schilder hat sich anscheinend verdreifacht. Heute morgen gab es die ueblichen Konferenzen mit laufenden Motoren zwischen Unmengen Arbeitern, aber noch keinerlei wirkliche Aenderung an der eigentlichen Problemstelle. Wir warten weiter. Inzwischen werden schon Witze darueber gemacht, dass wir womoeglich bald ohne Strasse da stehen.

In der Praxis hatte ich neulich einen sehr erfolgreichen Tag. Nachdem schon alle Babykaetzchen

… tja, und hier brach ich dann wegen Kundenansturms ab. Der Tag wurde noch viel erfolgreicher. Und wie ich bereits anfing zu berichten: alle kleinen Kaetzchen haben neue Heime gefunden, und am Montag habe ich in „one fell swoop“, auf einen Streich, gleich zwei Hunde vermittelt. Gut, ich gebe zu, es war ein bisschen gemein. Da kam eine Familie mit einem kleinen Maedchen, deren Malteser (!!??) geklaut worden war. Sie wollten den kleinen Papillon-artigen, aelteren, anscheinend manierlichen Hund abholen, als Ersatz, und da hab ich sie einfach hintenrum zu den Hundezwingern gelotst, und da sass dann noch der kleine Husky-Mischling und greinte herzerweichend. Klar, wen das kleine Maedel wollte. Mama war zwar ansatzweise vernuenftig, aber Papa konnte keinen hintenan lassen, und so zogen sie strahlend mit zwei Hunden ab. Da war ich aber auch mal ziemlich froh.

Und die Strassenreparatur – hat tatsaechlich begonnen. Erstmal mit einer Beleuchtung der Ampeln mit Riesenstrahlern. Interessante Variante. Und dann wird anscheinend das Loch bis ins „gesunde Fleisch“ vergroessert. Das macht die Durchfahrt weiterhin spannend. Ist wahrscheinlich ein bisschen wie Zahnreparatur.

Albertas Strassen(adressen)

Also breit sind sie ja, die Strassen hier in diesem Alberta. Aaaber…
Schon seit Severins Besuch ist auf einem Secondary Highway, also einer in unserem Falle geteerten Strasse, die unter Provinzzustaendigkeit faellt, ein Erdrutsch zu verzeichnen. Dieser Secondary Highway ist unsere Verbindung nach Valleyview (und – sozusagen – von da aus in die Welt, haha!). Der Erdrutsch war erst klein, nahm ein bisschen der noerdlichen Fahrbahnhaelfte und wurde einfach nur mittels Hinweiszeichen „bewarnt“. Ach ja, und zum Ausweichen bei dickem Gegenverkehr schuettete man auf der anderen Seite, die auch eine recht steile Boeschung beinhaltet, Schotter und Erde an, ebenfalls heftigst bewarnt und beleitplankt. Es dauerte nicht lange, da fand auf dieser neu angeschuetteten Seite ebenfalls ein Erdrutsch statt. Die Leitplanke wurde umgeformt, so dass sich dort nunmehr ein huebsches, sanduhrfoermiges Fahrbahngebilde befindet. Natuerlich gingen wir davon aus, dass die Dinge nicht lange so bleiben wuerden (koennen). Weit gefehlt. Waehrend der Erdrutsch tat, was Rutsche so tun, naemlich weiterrutschen, wurden mehr Schilder aufgestellt. Inzwischen hat die Geschichte immerhin einen Schweregrad erreicht, der das Aufstellen von Ampeln angeraten schien. Ueber die Schaltzeiten derselben schweigen wir an dieser Stelle… Wir sind gespannt, wie das im Winter wird. Kann ja sein, dass alles sich stabil friert. Koennte aber auch sein, dass an den bereits deutlich sichtbaren „Sollbruchstellen“ noch mehr abbricht. Vielleicht auch mal nachts, und dann Neuschnee drueber – das duerfte interessant werden. Und dass die Strasse gesperrt werden muss. Das wuerde fuer uns Umwege von, na, sagen wir mal, 30 km oder mehr bedeuten. Bruecken ueber den Little Smoky sind naemlich, wie man hier so schoen sagt, few and far between.

Parallel dazu erfolgte an unserer Schotterstrasse endlich die Zuteilung von Strassenanschriftsschildern. Bis dato hatten wir ja nur eine so genannte „Legal Land Location“, anhand derer die Eingeweihten bzw. Besitzer von Landeigentumerkarten uns haetten finden koennen. D.h., haetten sie nicht, weil unser Name noch nicht eingetragen ist. Erst, wenn die alten Karten alle sind, werden neue, aktualisierte gedruckt. Und ein Anschriftennummernschild hatten wir auch nicht bekommen, weil wir bei der Erfassung der Residenzen offensichtlich noch nicht auf der Steuerliste standen. Ich hatte nachgefragt, und mir war zugesichert worden, dass der Fall geprueft werde. Schliesslich will ich auch ein Schild!! Und ploetzlich, letzten Montag, stand da eins. Und ziemlich sofort kam es mir so vor, als ob es falsch sei. Nun ist das mit diesen Land-Adressen so wie mit den Adressen in der Stadt: Es gibt eine Referenz-Range Road bzw. eine Referenz-Township Road, und es gibt eine Zugangs-Range Road bzw. eine Zugang-Township Road. Township Roads verlaufen von Sueden nach Norden, und Range Roads von Osten nach Westen. In diesen jeweiligen Richtungen wird auch gezaehlt, Zahlen werden also groesser von Sueden nach Norden und von Osten nach Westen. Theoretisch. Vielleicht ist das auch alles ein bisschen ausschweifend hier und zu kompliziert. Jedenfalls habe ich durch ausfuehrliche Recherche meinen Verdacht bestaetigt bekommen: Nicht nur ist unsere endlich zugeteilte Anschrift falsch, nein, auch sind m.E. die drei Anschriften westlich von uns falsch, und zwar nach unterschiedlichen Kriterien falsch. Die Anschriften werden aber verteilt, damit uns im Falle eines Feuers die Feuerwehr oder sonstige Not-Einsatzkommandos zuverlaessig finden koennen. Tja… da hoert man den Amtsschimmel heftig wiehern, weil er sich in seinem eigenen System total verlaufen hat.

Kleines bilderloses Update

Weil ich ganz ausnahmsweise einmal anscheinend eine ganze Mittagspause ohne Bankgeschaefte, Antraege auf Arbeitslosengeld, Forenpruefung oder aehnliches habe, erlaube ich mir, ein kleines bilderloses Update einzustellen.

Jetzt arbeite ich also schon seit drei Wochen in der Tierarztpraxis. Und es stimmt mich sehr, sehr nachdenklich, manchmal sehr traurig, manchmal gar schlaflos. Mir war gar nicht klar, wieviele ungewollte, unbeaufsichtigte, vernachlaessigte oder sonstwie „uebrige“ Tiere es in einer so kleinen Stadt wie Valleyview (etwa 1500 Einwohner) geben kann. Die landen dann hier, und wenn sich innerhalb von drei Tagen kein Besitzer findet, dann koennen sie eingeschlaefert werden. Ich habe nicht gezaehlt, wieviele schon eingeschlaefert worden sind, seit ich hier bin. Aber ich weiss noch von allen, wie sie aussahen. Nun raetsele ich, was ich tun kann, um wenigstens ein bisschen Abhilfe zu schaffen, doch das ist schon ein bisschen so wie gegen Mauern, gern auch aus Gummi, zu rennen. Ich ueberlege aber weiter.

Das laesst mich natuerlich auch wieder vermehrt ueber meine eigenen Tiere nachdenken. Und immer fester bin entschlossen, Ziegen nur abzugeben nach gruendlicher Pruefung. Und das wird wahrscheinlich nie gut ausfallen, zu und zu „picky“ bin ich sicher. Neulich sagte noch eine Kundin hier zu mehr: „Ja, das muss aber doch schwierig sein, die eigenen Ziegen zu essen.“ Ich sagte ihr, dass es meiner Ansicht nach nur so geht. Dann weiss ich immerhin, wie ihr Leben verlaufen ist, von Anfang bis Ende, und wenn es keine Unfaelle gab, dann war es gut. Keine Angst, keine Schmerzen. Genug zu essen und trinken, ausreichend soziale Interaktion. Und keine, keine einzige, wird je zu einer Auktion gehen, wenn ich es irgendwie verhindern kann.

Und natuerlich bringt es einen auch wieder zu dem Thema der leichtfertigen Anschaffung von Tieren. Meiner Meinung nach kann man gar nicht genug betonen, dass Tiere KEINE geeigneten Geschenke sind, mit den allerallerseltensten Ausnahmen. Karla sagt, dass ganz klar um Weihnachten rum und nach Ostern hier die meisten Tiere auflaufen. Alte Hunde sollen eingeschlaefert werden, weil man ja jetzt einen neuen „puppy“ hat, da ist der alte halt uebrig. Osterhasen entpuppen sich als fordernd und – wer haette das gedacht – koettelnd und fressend, also ab dafuer. Deswegen sitzt hier das Praxiskaninchen „Vanilla“, ein Opfer des letztjaehrigen Osterfestes. Katzen kratzen und pinkeln auch mal ein bisschen unkontrolliert. Und landen dann hier, zum Einschlaefern. „Inappropriate urination“ heisst das Todesurteil. Nicht schoen.

Auf der anderen Seite natuerlich auch nette Tierhalter, entzueckende Tiere, herzerwaermende und traenendruesen-drueckende Geschichten. Neulich z.B. die „Taschenratte“, aber ein nettes Tierchen, das irgendwie es geschafft hatte, sich ein Auge demolieren zu lassen (und wir sprechen hier von einem Gesamt-Lebengewicht von 1 kg). Das Auge musste entfernt werden, woraufhin das Tier, aehnlich einem Toyspitz, natuerlich nach OP und Rasur etwas gewoehnungsbeduerftig aussah. Die Besitzerin, mit einer anderen „Taschenratte“ unter dem Mantel auf der linken Brust, nahm aber ihren Liebling, unter Traenen, sofort an die andere Brust und zahlte, soweit ich das sehen konnte, ohne Zucken ihre recht heftige Rechnung. A mixed bag also. Aber ueberwiegend interessant.

Da, und nu is die pause doch schon wieder um. Telefon klingelt, rechtschreibung leidet. Tschuess!!

Schneefloeckchen…

Weissroeckchen – oder auch gern die erste Ladung mit Gummistiefelchen. Jaja, ist ja auch schon ueber fuenf Monate her, dass wir den letzten Schnee hatten. Vorgestern also der erste „dump“ nasses Zeugs, bestimmt 3-5 cm. Und heute morgen dann die naechste Ladung, mit Nordwind, aber dafuer wenigstens trocken. Dabei war es in der Nacht, um halb zwei, als ich in Unterwaesche und Birkenstocks (scheint unsere Arbeitskleidung zu werden) draussen war, um fast alle Ziegen wieder einzupacken, gar nicht so kalt, und es fing gerade erst an zu schneien… haha!

Das war die Strasse nach Sueden heute morgen, als ich zum Farmers‘ Markt dueste, d.h. ich dueste nicht, denn schon als ich aus unserer Einfahrt bog, rutschte ich fast in den Graben. Und auf dem Highway war nichts geraeumt, so dass ich bereits an der Post die ersten Spuren erst kurz vorm Graben enden sah. Also fuhr ich extrem langsam. War wohl gut, denn an der naechsten Abbiegung standen Polizei, Krankenwagen und ein ziemlich demolierter Truck im wirklich tiefen Graben. Nicht so schoen. Und auf dem Markt berichteten viele Haendler von haesslichen Problemen auf den Strassen. Selbst hier also, wo der Winter wirklich „laut und deutlich“ ist, ueberrascht er die Autofahrer doch fast jedes Jahr.

Der Einzige, der heute morgen richtig Spass im Schnee zu haben schien, war der kleine Herr Lama. Nach zwei Tagen des Eingesperrtseins liess ich Mama und Kind heute morgen raus, und er musste sich gleich waelzen und dann diverse Raserchen aneinanderhaengen.
So, jetzt hab ich ein Library Meeting. Klingt gut, oder?

Better late than never

So dachte ich mir, als ich heute an meinem zweiten Arbeitstag in der Tierarztpraxis nach einer heissen Dusche endlich die neuesten Nachrichten der werten Leserschaft naeherbringen wollte. Aber diese Computer! Moegen mich nicht mehr. Gar nicht so einfach, und nu ist die Mittagspause schon fast wieder rum. Weil ich naemlich auch anscheinend nicht mehr in der Lage bin, nach JAHREN des „Duschens“ mit Eimern und seltsamen Wassertanks, und das auch nur sehr sparsam, eine normale kanadische Duscharmatur zu betaetigen. High tech – nix mehr fuer mich. Doch nun der aktuelle Bericht: Letzten Freitag kam ich aus der Buecherei – von der Arbeit – nach Hause, spaet, muede, schon sofort leicht angesaeuert, weil es dunkel wurde und die Tiere noch nicht gefuettert waren. Doch diesmal war es geradezu ein Glueck, denn so war ich die erste, die dieses hier entdeckte:

Wer haette das gedacht, dass uns das Lama doch noch ein Baby hinlegt, bzw. hinstellt. Als ich es entdeckte, war es zwar vom Regen nass, aber ansonsten nicht mehr ganz funkelnagelneu, denn es stand und lief. So lotsten wir denn die summende Mutter trickreich mitsamt ihrem entzueckenden Baby in das Ziegengehege, damit sie wenigstens ueber Nacht im Heu unter Dach verbringen konnte. Fand sie nicht so toll, Trennung von den Ziegen findet sie ja immer sehr beunruhigend, da lenkt auch ein brandneues Baby nur voruebergehend von ab. Beim Umzug konnten wir dann auch feststellen, dass es sich um einen kleinen Lamaknaben handelt. Namensvorschlaege, anybody? Hier noch ein paar Nahaufnahmen. Inzwischen sind Mutter und Kind wieder bei der Herde, die sie im gestreckten Galopp umrundet haben. Ganz erstaunlich, was so ein kleines Ding schon fuer eine Koordinationsgabe hat, umso mehr, wenn man sich das Verhaeltnis von Beinen, Koerperhoehe und Hals ansieht.

Nun haben wir also noch ein neues Programm in unserem Animal-TV. Kanal Cria. Wir haben ja auch den Kueken-Kanal. Und leider vertragen sich die beiden nicht so prima. Als naemlich der kleine Lamerich im Gehege seine ersten Raser ausarbeiten musste, waren da gerade drei Hennen mit ungezaehlten Kueken. Eines hat nun ein laediertes Bein, ich hoffe, dass es wieder heilt, das arme Viech.

Es ist nun ernsthaft Herbst, fuer in zwei-drei Tagen sind -5 Grad angesagt, ich glaube, das gilt dann nun. Die Kartoffeln sind alle ausgemacht, dito die Moehren und Roten Bete bzw. was von ihnen uebrig war. Sehr sehr aergerlich: Die Maeuse hatten offensichtlich eine wunderbare Zeit in meinem Gemuese, und ich habe praktisch kein eines intaktes Rotes Bet mehr. Moehren sind noch ein paar heile da, aber auch nicht sehr ueberzeugend. So, Mittagspause zuende, ich muss jetzt arbeiten fuer Geld!!

Konditionierung

Man kann Ziegen auf Motorsaegengeraeusche konditionieren. Das wissen wir nun wirklich. Heute morgen fuhr ich mit meiner Heuschubkarre zu den wartenden, quengelnden Ziegen, die sich nach wie vor im abgefressen Zaun rumtreiben
Dann warf Gereon im Hintergrund die Motorsaege an. Hoch gehen die Koepfe, und schwuppididu, wenden sich alle Ziegen „wie ein Mann“ von mir ab und rennen in Richtung Motorsaegengeraeusch. Sie wissen naemlich inzwischen genau, dass da dann gleich Baeume mit gruenem (!!) Laub umfallen, lecker!
Wer aber jemals all das abgefressene Holz da aufraeumen soll/will, das weiss der liebe Himmel. Any volunteers? Walter??? 🙂

Ansonsten: Die Wirtschaftskrise scheint uns nun doch ernsthaft zu erreichen. Zwar sieht Gereon das immer noch nicht so, aber ich gehe davon aus, dass er in kurzer Kuerze seine Arbeit verlieren wird. Sein Chef hat ihm angeboten, ihn zu entlassen, weil er sich mit Arbeitslosengeld besser steht als mit einem Tag Arbeit pro Woche. Logisch. So ergab es sich fuer mich guenstig, dass Karla gerade mal wieder Unterstuetzung sucht. Nachdem ich mich schweren Herzens zum Einstellen meines Melkbetriebes durchgerungen habe, ist nun der Weg frei fuer eine Arbeit gegen Geld. Im Moment sieht es nach drei Tagen pro Woche aus. Der allergroesste Vorteil, meiner Meinung nach, ist der, dass wir dann weiterhin Benefits haben. Denn zwar ist ja die medizinische Grundversorgung inzwischen voellig kostenlos, aber Medikamente und Sondergeschichten bezahlt man selbst, und vor allem geht der Zahnarzt auf die eigene Rechnung. Und der ist richtig teuer! Ueber die so genannten Benefits sind aber auch Zahnarztkosten zumindest teilweise abgedeckt. Ich faende das wichtig. Zudem gibt es wohl auch noch Nachlaesse bei tieraerztlichen Einsaetzen. Und das ist auch nicht von Schaden, scheint mir. So ist es dann ab naechste Woche vorbei mit dem „sorglosen Leben der Hausfrau“, und ich muss wieder oefter auf die Uhr schauen. Aber nuetzt ja nix, Bargeld muss her.

Schade, dass man keine Huehner gewinnbringend verkaufen kann. Seit etwa 14 Tagen stuerzen die Kueken nur so auf uns ein. Wir sind jetzt auf insgesamt 43. Noetig war das alles nicht gewesen. Was zwei Haehne fuer ein Unheil anrichten koennen. Aber es wird keinen Mangel an Huehnersuppe geben, da darf man von ausgehen. Und Gemuese fuer in die Suppe ist auch ausreichend vorhanden. Der Garten sieht derzeit so aus

Und meine zweiten Sieglinde-Testkartoffeln so!

Und ja, die Beissspuren am „Kloesschen“ sind wohl von Zora, als sie noch jung und unvernuenftig war. Ueber die Kartoffeln freut sich glaube ich Gereon am meisten. Ich mache mir schon wieder Gedanken, wo ich sie wohl lagern kann. Denn in dieser Hinsicht ist ja noch kein Land in Sicht. Koennte sein, dass dieses Jahr sogar Sellerieknollen gewachsen sind, das waere natuerlich ziemlich wunderbar. Dafuer faengt mein Lauch heftig an zu bluehen, Dieter meint, es liegt am mangelnden Wasser. Doof.

Der Farmers‘ Market ist jetzt runter auf einmal monatlich, aber die Honigverkaeufe sind nach wie vor recht gut. Beim vorletzten Schleudern rief Gereon mich, um mir den auslaufenden Honig zu zeigen: Dunkel wie Ruebensirup! Ich war eher entsetzt. Nun zeigt sich, dass das Honigtau-Honig ist, von den Birken, die in diesem Jahr ganz besonders von Blattlaeusen geplagt wurden. Ich hatte schon ueberlegt, wie ich den wohl an die wenig experimentierfreudige Valleyviewer Kundschaft verticke, aber ein Gespraech heute mit Adony Melithopoulos (ist das nicht ein wunderbarer Name??!) von der Beaverlodge Research Farm ergab, dass, jedenfalls lt. Adony, Honigtau-Honig hier noch nie bewusst geerntet worden ist, oder so aehnlich jedenfalls. Also haben wir eine absolute Raritaet (die uebrigens meiner bescheidenen Meinung nach auch schmeckt wie Ruebensirup, also nix wirklich besonderes…), die wir versuchen werden, zu einem hoeheren Preis in Kleingebinden an die interessierte Kundschaft abzugeben. Irgendwo, wie gesagt, muss Bares herkommen. Und ungewoehnlich ist er mit Sicherheit. Suess, suess, suess. Sollte eigentlich fuer die Einheimischen genau richtig sein.

Fuer das Wochenende steht nun was von Null Grad im Wetterbericht. Mal sehen. Bis jetzt ist es noch gut gegangen, obwohl Bohnen und Tomaten praktisch ein Totalausfall sind. Ansonsten koennen wir ueber das Wetter kaum klagen, blauer, unglaublich blauer Himmel, warm, heute sind 27 Grad gemeldet, manchmal eine leichte Brise, angenehm kuehle Naechte. Ideales Urlaubswetter. Doch auch hier eine Downside: Es ist nach wie vor extrem trocken, so dass die Waldbrandgefahr auch immer noch extrem hoch ist. Und unser Dugout ist mindestens einen Meter runter.

Gestern abend sassen wir zum Abkuehlen in der Abenddaemmerung vorm Haus auf der Bank (wie die alten Leute das so tun), da schwirrte ploetzlich wieder die Luft ueber uns, es klingt wie ein frischer Wind, aber es sind Hunderte von kleinen Enten, die, aus Norden kommend, anscheinend zum Uebernachten auf den Snipe Lake fliegen. Als Gereon das letzte Mal am Biberteich war, berichtete er von etwa 1000 solcher Entchen auf dem Teich. Leider hat er auch entdeckt, dass die Biber unsere womoeglich dickste Aspe schon halb durch haben – schade. Inzwischen liegt sie sicher am Boden.

Und waehrend wir gestern abend da also mit Dieter, der in Kuerze nach B.C. faehrt, um seinen Hausstand dort einzuladen und in unsere Nachbarschaft zu ziehen, waehrend wir also da sassen und quatschten (mit einem kurzen „a“!), geht das Heulen wieder los. Kojoten im Sueden und Woelfe im Norden. Ziemlich beunruhigend nach dem letzten Intermezzo. Die Hunde natuerlich voellig aus dem Haeuschen. Ich konnte kaum einschlafen, so viel und lange musste die arme Emmi bellen. Ein Nachteil unserer schoenen Wege ist natuerlich, dass das auch fuer die Wildtiere die reinsten Autobahnen sind.

Und noch: Das Buecherei-Team der „Dewey Decimals“ (zu dem ich gehoere), hat seinen Titel bei der diesjaehrigen Spelling Bee an einer Valleyviewer Schule erfolgreich verteidigt. Zu buchstabierende Woerter waren u.a. „Whippoorwill“, „marbleize“, „onomatopoeia“ (ha, einfach fuer den Altsprachler), „caterwaul“ (haeh?? hatten wir natuerlich falsch!).